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| "Damit der liebe Gott weiterschaukeln kann..." | Bertolt Brecht: Psalms |
| Introduction
Poems |
Poems VISION IM WEISS. 1. PSALM Nachts erwache ich schweißgebadet am Husten, der mir den Hals einschnürt. Meine Kammer ist zu eng. Sie ist voll von Erzengeln. Ich weiß es: ich habe zuviel geliebt. Ich habe zuviel Leiber gefüllt, zuviel orangene Himmel verbraucht. Ich soll ausgerottet werden. Die weißen Leiber, die weichsten davon, haben meine Wärme gestohlen, sie gingen dick von mir. Jetzt friere ich. Man deckt mich mit vielen Betten zu, ich ersticke. Ich argwöhne: Man wird mich mit Weihrauch ausräuchern wollen. Meine Kammer ist überschwemmt mit Weihwasser. Sie sagen: ich habe die Weihwassersucht. Das ist dann tödlich. Meine Geliebten
bringen ein bisschen Kalk mit, in den Händen, die ich geküsst
habe. Es wird die Rechnung präsentiert uber die orangenen Himmel,
die Leiber und das Andere. Ich kann nicht bezahlen.
VOM SCHIFFSCHAUKELN. 4. PSALM Man muß die Knie vorwerfen wie eine königliche Dirne, als ob man an Knien hinge. Die sehr groß sind. Und purpurne Todesstürze in den nackten Himmel und man fliegt nach oben, bald mit dem Steiß, bald mit dem vorderen Gesicht. Wir sind völlig nackt, der Wind tastet durch die Gewänder. So wurden wir geboren. Nie hört die Musik auf. Engel blasen in einem kleinen Panreigen, daß er fast platzt. Man fliegt in den Himmel, man fliegt über die Erde, Schwester Luft, Schwester, Bruder Wind! Die Zeit vergeht und nie Musik. Nachts um 11
Uhr werden die Schauklen geschlossen, damit der liebe Gott weiterschaukeln
kann.
DER 1. PSALM 1
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